Im klassischen Projektmanagement wird vor allem Termin- und Budgettreue belohnt. Doch ist das der richtige Anreiz für einen Projektmanager, das Projekt zum Erfolg zu führen?
Bereits bei der Budgetplanung eines Projekts bauen die Projektmanager erhebliche Puffer ein, um einer Budgetkürzung zuvor zu kommen und noch immer genügend Mittel für die Umsetzung des Projekts zur Verfügung zu haben. Schon hier beginnen die Probleme des Budgeting. D.h. mehr als wirklich notwendigen Mittel werden einem Projekt zugeschrieben und können so nicht anderweitig eingesetzt werden. Der Projektmanager steht nun vor einem Dilemma: nutzt er – trotz höherer Angaben zum Bedarf – nur den wirklich notwendigen Teil seines Budgets, muss er sich anschließend dafür rechtfertigen, warum er nicht richtig geplant hat und warum das Projekt im Endeffekt günstiger als angedacht war. Im schlimmsten Fall stehen ihm nun für folgende Projekte generell weniger Mittel in seinem Budget zur Verfügung.
Um diesem Problem zu entgehen und die Budgetvorgaben genauestens zu erfüllen, werden also unnütze und überflüssige Ausgaben getätigt – nur um das Budget wie geplant auszuschöpfen. Doch worum geht es eigentlich? Um die wesentliche Zielerreichung innerhalb des Projekts, oder um die exakte Ausschöpfung des Budgets? Es ist sicher eindeutig, dass die Zielerreichung von deutlich höherer Priorität ist.
Daher sollte man den Projektmanagern bei der Planung ihrer Budgets die Angst nehmen, dass eine niedrigere Budgetplanung als beim vorigen Projekt eine unmittelbare Auswirkung auf folgende Projekte hat. Jedes Budgetplanung sollte für sich betrachtet werden und innerhalb der aktuellen Begebenheiten. Nur so kann man davon ausgehen, ehrlichen Angaben zur Budgetbedarfsplanung zu bekommen. Projektmanagern sollten zudem andere Anreize gegeben werden, um maximale Ergebnisse bei minimalen Kosten und minimaler Zeit zu erzielen.
Und wie können diese Anreize aussehen? Wie wäre es, wenn man einem Projektmanager das Angebot unterbreitet, dass er 10% von den Einsparungen aus seinem Budget als Bonus erhält? D.h. der Projektmanager veranschlagt beispielsweise ein Budget von 1 Mio. EUR. Wenn er es nun schafft, die Kosten so gering zu halten, dass er von diesem Budget nur 900.000 EUR effektiv nutzt, dann erhält er einen Bonus von 10.000 EUR. Im Gegenzug müsste natürlich auch ein Malus vereinbart werden, für den Fall, dass er das Budget überzieht.
Wäre das ein attraktiver Anreiz, um die bekannte Budgetierungsproblematik zu umgehen? Vielleicht! Denn auch hier müssen mögliche Schlupflöcher für ein opportunistisches Verhalten im Vorwege gestopft werden. Dies bedeutet, dass der Projektmanager von einem Kontrollgremium, einem Lenkungskreis überwacht und kontrolliert werden muss, um so sicher zu gehen, dass er nicht bereits bei der Budgetfestlegung ein zu hohes Budget angibt, um dann im Nachhinein einen größeren Bonus zu erhalten. Dieser Lenkungskreis muss sich also gut mit den marktrelevanten Daten auskennen, um so beurteilen zu können, ob der Projektmanager realistische Zahlen vorlegt.
Doch auch während des Projekts sollte ein Lenkungskreis stets die Arbeit überwachen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Kosten nicht mit unlauteren Methoden reduziert werden und der Projektmanager mit diesen Methoden zu seinem Bonus gelangt.
Doch wir wollen einem Projektmanager gar nicht so viel Opportunismus unterstellen. Wir brauchen aber eine Alternative zum bisherigen Budgeting-Prozess, die attraktiv für alle Seiten ist. Nur so können wir die Kosten für unser Unternehmen senken und den Projektmanagern die Angst nehmen, für Folgeprojekte nicht mehr genügend Ressourcen zur Verfügung gestellt zu bekommen. Denn die Budgetierung erfolgt hier für jedes Projekt neu und völlig frei von den vorhergegangenen Projekten.
Eine Alternative könnte Folgendes darstellen: Die Planung des Budgets erfolgt von unabhängigen Planern. Da diese lediglich die Aufgabe haben, einen Kostenplan für das Projekt zu erstellen und weder Vor- noch Nachteile zu erwarten haben, wenn der Plan nicht eingehalten werden kann, gibt es für diese keine Anreize überflüssige Reserven einzuplanen. Dieser Plan kann nun an den Projektmanager übergeben werden. Sollte er es schaffen, diesen Plan günstiger umzusetzen greift wieder das besprochene Bonussystem.
Was denken Sie darüber? Ist es so möglich richtige Anreize für einen Projektmanager zu schaffen? Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!